01.
Dezember
2014

Linke Freiräume erkämpfen und erhalten

Linke Freiräume sind in ihren Ansprüchen so vielfältig wie die linke Szene selbst: Einige Projekte möchten auf die Missstände im sozialen Wohnungsbau und die unsozialen stadtplanerischen Konzepte der Kommunen aufmerksam machen. Andere Projekte wollen Treffpunkte fernab von Konsumzwängen und Kulturangebote jenseits von Verwertungslogiken anbieten. Wieder andere Gruppen wollen insbesondere junge Menschen ansprechen und mit ihren Projekten und politischem Anspruch Alternativen zu oft bestehenden braunen Gemeindestrukturen schaffen.

Gemein ist allen linken Freiräumen, dass in ihnen versucht wird, möglichst gleichberechtigt zu agieren und gesellschaftliche Diskriminierungen zu bekämpfen. So stellen diese Orte im besten Fall Freiräume von Sexismus, Ausgrenzungen aufgrund von ethnischer Zugehörigkeit oder sexueller Identität dar. Klar ist dabei, dass auch diese Orte nicht außerhalb des kapitalistischen Systems funktionieren. Doch versuchen die Akteur_innen innerhalb dieser Räume immer wieder ihre Bedingtheit in diesem System zu reflektieren und schaffen damit die Möglichkeit emanzipativer Bewegungen durch die kontinuierliche politische Reflektion und Arbeit an sich selbst.

Dass auch in Bochum linke Freiräume unerlässlich sind zeigt zum Beispiel die Privatisierung des öffentlichen Raums im Bermudadreieck. Vor nicht allzu langer Zeit konnte im Bermudadreieck unter Bäumen auf Bänken sitzend leckeres und vor allem günstiges Kioskbier genossen werden. Erst verschwanden die Sitzgelegenheiten, dann die Bäume. Inzwischen kann sich dort nur noch aufhalten, wer auch die vorhandenen gastronomischen Angebote nutzt. Um den Stadtraum für alle lebenswert zu gestalten ist es von größter Notwendigkeit, dass auch ohne Konsumzwang dessen Nutzung möglich gemacht wird.

Jedoch wird alles, was nicht in Konsumlogiken funktioniert von der Stadt kriminalisiert und unter Repressionen gestellt. Ein junges Beispiel dieser Dynamik liefert die Gruppe um das Soziale Zentrum Avanti, die eine leer stehende Kirche in Dortmund besetzte. Nach nur sieben Tagen musste das Soziale Zentrum verlassen werden, da die Stadt und Besitzer_innen des Gebäudes den Leerstand der kreativen Nutzung vorzogen. Das innerhalb dieser sieben Tage ein attraktives Kultur- und Kunstzentrum entstanden ist, in dem sogar ein Hoffest für die Nachbar_innen ermöglicht wurde, scheint dabei nicht zu interessieren.

Da uns keine Räume zur Verfügung gestellt werden, müssen wir linke Freiräume erkämpfen und erhalten. Damit Stadtkultur unterstützt und nicht im Keim erstickt wird und das Ruhrgebiet für alle ein attraktiver Wohnort bleibt müssen wir uns mit bestehenden linken Strukturen solidarisieren und ihren Kampf für selbstverwaltete Räume unterstützen!