19.
Januar
2018

Der AStA bittet zum Kaffeklatsch mit Rechtsextremen

 

Marco Müller, führender Kopf der Bochum IB

 

Seit einiger Zeit sind auf dem Campus der Ruhr-Universität Bochum verstärkt (aber stets nur von kurzer Dauer) Flyer, Plakate und Sticker von rechtspopulistischen (Junge Alternative) und rechtsradikalen Gruppen (Identitäre „Bewegung“, kurz IB) aufgetaucht. Wir als Linke Liste betreiben Aufklärung und stellen uns konsequent gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft und speziell an der Uni.
So haben wir zusammen mit der Liste GRAS (Grüne Alternative Student*innen) in der zweiten StuPa-Sitzung vom 11.01.18 einen Antrag gestellt, der den AStA damit beauftragt, gegen solche Gruppen am Campus vorzugehen und eine Broschüre zur Aufklärung über das rechtsradikale Gedankengut herauszubringen.
Nun schockiert uns der Artikel „Rechtsextreme „Identitäre Bewegung“ ist an der RUB aktiv“ aus der WAZ vom 18.01.18 damit, dass der noch amtierende AStA-Vorsitzende unserer Uni, Simon Lambertz (NaWi), in einem Interview davon redet, dass der AStA den Dialog mit der rechtsradikalen Gruppe der Identitären wünscht.
Wir fragen uns, ob der AStA-Vorsitzende in der letzten StuPa-Sitzung geistig anwesend war, da es dort zwei Anträge gab, die nach langen Diskussionen eigentlich ziemlich einig endeten, wie mit den Identitären und ähnlichen Gruppen umzugehen ist. Festzuhalten ist, dass mit Rechtsradikalen seitens des AStA nicht einfach geredet wird. Dies ist nicht nur unsere Meinung ,sondern auch die von wissenschaftlichen Experten. So antworten die Autor*innen in ihrer wissenschaftlichen Abhandlung „Die Identitären – Handbuch zur Jugendbewegung der Neuen Rechte in Europa“ auf die Frage „Mit Identitären diskutieren?“: „[…] Nein. […] Wenn es sich vermeiden lässt, dann nicht. Diskussion hebt Gegner_innen auf Augenhöhe und da gehören Identitäre nicht hin. […], denn sie nutzen diesen Raum für ihre Rechtsextreme Propaganda.“ (S.274)
Des weiteren erkennen wir nicht, wo diese aktive Aufklärung durch den AStA passiert. Es gab im letzten Jahr zwei Veranstaltungen über die Identitären und die Neue Rechte an der RUB. Zum einen ein sehr erfolgreicher Vortrag von Julian Bruns mit über hundert Zuhörer*innen, AStA-unabhängig organisiert von GRAS, Jusos, DGB Hochschulgruppe und der Linken Liste. Zum anderen eine wenig polarisierende AstA-Veranstaltung mit schlechter Bewerbung und leider keinen zwei dutzend Zuhörer*innen.
Wir empfehlen dem AStA-Vorsitzenden, nicht nur über Aufklärung zu reden, sondern sie sich gelegentlich selbst zu Gemüte zu führen. Vielleicht könnte er auch mal die eigenen Veranstaltungen zu politischen Themen besuchen, damit er weiß wovon er in einer überregionalen Tageszeitung spricht.
Zu guter Letzt bleibt nur noch zu sagen: Wir müssen die Neue Rechte entwaffnen, indem wir zeigen, dass hinter ihrer Ideologie lediglich der uns bereits von offen rechtsradikalen Gruppierungen bestens bekannte sozialdarwinistische Rassismus im neuen, neoliberalen Gewand steckt. Die Linke Liste empfiehlt also: Nicht mit fanatischen Identitären und anderen Rechtsradikalen reden! Stattdessen den Menschen, die noch zuhören wollen, erklären, warum die Ideologie der Neuen Rechten zutiefst menschenverachtend ist; den Neuen Rechten zeigen, dass ihr hasserfüllter Weg in einer Sackgasse endet – und dass wir ihre Welt nicht wollen, egal ob sie im alten Gewand der „Rasse“ oder hinter dem neuen Feigenblatt der „kulturellen Identität“ daherkommt.

 

WAZ-Artikel