27.
November
2014

Anwesenheitspflicht

Anwesenheitspflicht? Nein Danke!

Die Anwesenheitspflicht wurde mit dem Inkrafttreten des Hochschulzukunftsgesetzes (HZG) zum 1. Oktober 2014 in nahezu allen Veranstaltungen abgeschafft. Seminare sind jetzt – wie Vorlesungen auch – von der Anwesenheitspflicht befreit. Lediglich in Übungen, Sprachkursen und „vergleichbaren Veranstaltungen“ darf weiterhin die Anwesenheit verlangt werden – aber auch in diesen Veranstaltung ist sie ein Stressfaktor. Doch während die Anwesenheitspflicht für Seminare qua Gesetz nicht mehr gilt, hat sich an der Praxis vieler Lehrender nichts geändert.

Keine Anwesenheitspflicht? Keine Panik!

Das neue Gesetz spaltet die Geister und scheint einen Graben zwischen uns Studierenden und den Lehrenden zu ziehen. Auf Seiten der Fakultäten gibt es große Widerstände: Sei es, dass die Sinnhaftigkeit des Gesetzes generell in Zweifel gezogen wird oder aus der Befürchtung, zukünftig in leeren Seminarräumen dozieren zu müssen.

Dabei gibt es Lehrbereiche, in denen in den meisten Seminaren die Anwesenheit auch vor der Gesetzesänderung nicht kontrolliert wurde, wie das Beispiel der Theaterwissenschaft zeigt. Leere Seminarräume sind dort trotzdem nicht die Regel. In (vielen) Fächern der Natur- und Ingenieurswissenschaft gibt es über weite Strecken ebenfalls keine Anwesenheitspflicht. Der Vorteil, in den Veranstaltungen auch anwesend zu sein, ergibt sich aus ihren Inhalten und ist nicht Selbstzweck, denn das Studium ist mehr als nur pures Zeitabsitzen. So lässt sich oftmals nicht vermeiden, dass Studierende häufiger als die aktuell meist zugelassenen zwei bis drei Fehlstunden abwesend sind. Seien es Arbeit, Familie, körperliche und psychische Gesundheit, manchmal liegt es an einer nahenden Abgabefrist. Es soll aber auch vorkommen, dass Veranstaltungen derart schlecht durchgeführt werden, dass Studierende das Selbststudium vorziehen.
Das Ziel sollte sein, Seminare so zu gestalten, dass jede entgangene Stunde zum Ärgernis wird, weil interessanter Lehrstoff verpasst werden könnte. Studierende als mündige Menschen zu betrachten, die nicht durch Zwang in Seminaren sitzen, sondern weil sie in diesen etwas lernen wollen, sollte der Anspruch der Lehrenden an sich selbst sein.

Kritik an der Landesregierung:

Dieser Anspruch ist jedoch weniger in der Gesetzesänderung angelegt: Die Änderung wird damit begründet, dass Studierenden ermöglicht wird, neben dem Studium zu arbeiten, wenn sie darauf angewiesen sind. Statt aber etwas an der prekären finanziellen Situation vieler Studierender zu ändern, wird ein wirtschaftliches Problem in die Universitäten verschoben und mit wohlklingenden Begriffen wie dem der „Selbstverantwortung“ verschleiert. Solange Universitäten selbst im kapitalistischen System verhaftet sind, können sie jedoch kein Ort individueller Selbstentfaltung und gesellschaftlicher Emanzipation sein.

Wir als Linke Liste bleiben aufmerksam und werden diese Entwicklungen  weiterhin kritisch begleiten.